Narkolepsie. Foto: ucb/shutterstock

Narkolepsie: Mehr als nur Müdigkeit

(livingpress). Dämmerlicht bei einem Vortrag, Dunkelheit im Kino, eine längere Autofahrt als Beifahrer – da wird jeder mal müde und gönnt sich ein kleines Schläfchen. Wer an Narkolepsie leidet hat in diesen Situationen keine Wahl: Er wird vom Schlaf geradezu übermannt. Ein enormes Schlafbedürfnis, das nicht kontrollierbar ist, zwingt die Betroffenen zum Einschlafen. Sie schlafen mitunter sogar während aktiver Tätigkeiten, wie beim Essen, einer Besprechung oder gar beim Autofahren ein.

Schlaf-Wach-Rhythmus ist außer Kontrolle
Diese starke Tagesschläfrigkeit ist das Hauptsymptom der Narkolepsie. Begleitend treten dabei häufig auch sogenannte Kataplexien und ein gestörter Nachtschlaf auf. Die Patienten schlafen nachts nur leicht, wachen oft auf und liegen dann stundenlang wach. Die Kataplexien sind für die Betroffenen dabei meist noch unangenehmer und je nach Situation gefährlich: Es handelt sich dabei um einen – wenige (Milli-)Sekunden dauernden – Verlust der Muskelspannung, z.B. bei starken Emotionen, wie Lachen oder Erschrecken. In schweren Fällen kann dabei die gesamte Muskulatur der Arme und Beine versagen, so dass der Patient plötzlich hilflos zusammensackt.

Wichtige Botenstoffe fehlen
Narkolepsie ist eine chronische Krankheit, die allerdings selten vorkommt. Meist beginnt die Erkrankung im Alter zwischen 15-32 Jahren. Ursache ist wahrscheinlich eine krankhafte Immunreaktion: Die Nervenzellen der Betroffenen produzieren zu wenig des Botenstoffs Hypocretin, der die Balance des Schlaf-Wach-Rhythmus regelt.

Bei Verdacht auf Narkolepsie gleich zum Spezialisten
Die noch relativ rätselhafte Krankheit ist nicht heilbar, aber mit der richtigen Therapie können die Betroffenen gut damit leben. Da die Erkrankung selten auftritt und mit ganz unterschiedlichen Symptomen verbunden wird, ist das Phänomen von Betroffenen und auch Ärzten nicht einfach zu erkennen. Oft schämen sich die Betroffenen auch wegen ihrer ‚Schlafsucht‘ und versuchen möglichst nicht aufzufallen. Umso wichtiger ist die Aufklärung über die Narkolepsie. Bei entsprechenden Symptomen sollte man daher einen Neurologen aufsuchen. Dieser kann eine Vordiagnostik machen und den Patienten zur Diagnosesicherung mit weitergehenden Untersuchungen an ein neurologisches Schlaflabor überweisen.

Verschiedene Therapiemöglichkeiten können helfen
Für Narkolepsie-Patienten stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Dabei spielen sowohl die Umstellung der Lebensgewohnheiten wie auch die Einnahme von Medikamenten eine wichtige Rolle. Dabei werden z.B. die Schlafzeiten in der Nacht und kleine Schlafeinheiten am Tag genau geplant. So können die Betroffenen tagsüber längere Phasen kontrolliert wach bleiben und nachts besser schlafen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, stehen Psychostimulanzien gegen die quälende Tagesschläfrigkeit zur Verfügung. Treten zusätzlich noch Kataplexien auf, ist auch ein Medikament verfügbar, das als natürlicher Botenstoff im Gehirn vorkommt. Damit können die Hauptsymptome der Narkolepsie günstig beeinflusst werden: verbesserter Schlafrhythmus in der Nacht und dadurch eine Besserung der Symptome am Tag.