Lesepult mit Beleuchtung. Eine Frau liest mit Hilfe eines beleuchteten Lesepults eine Zeitung. Foto: DBSV/A.Friese

Leben mit Sehbehinderung

(wds). Werden sehende Menschen gefragt, wie sie sich den Unterschied zwischen Blindheit und Sehbehinderung vorstellen, kommen viele häufig zu dem Schluss: Blinde Menschen sehen gar nichts, Menschen mit einer Sehbehinderung sehen sehr unscharf. Dies ist jedoch ein Trugschluss, denn die Ausprägungen und Auswirkungen von Sehbehinderungen sind so vielfältig und individuell wie die Menschen selbst.

Sehbehinderungen werden meist durch Augenkrankheiten bedingt, die mit ganz unterschiedlichen Symptomen und damit auch unterschiedlichen Arten von Einschränkungen einhergehen. Auch Faktoren wie Umgebung, Beleuchtung und nicht zuletzt die persönliche Tagesform der betroffenen Personen wirken sich auf die Sehbehinderung aus. Hinzu kommt, dass zahlreiche Augenerkrankungen einen schleichenden Verlauf haben und sich die Sehbeeinträchtigung je nach Stadium der Krankheit verändern und verschlechtern kann. Eine allgemeingültige Aussage über „die Sehbehinderung“ kann nicht getroffen werden.

Eine Vielzahl an Augenkrankheiten ist jedoch mit ähnlichen, mitunter sogar gleichen Auswirkungen verbunden: nachlassendes oder fehlendes Kontrastsehen, eine erhöhte Blendempfindlichkeit und Probleme mit dem Sehen im Nahbereich gehören zu diesen vermehrt auftretenden Einschränkungen.

Hilfsmittel und Lösungen
Menschen mit Sehbehinderung nutzen spezielle Hilfsmittel, um Beruf und Alltag zu bewältigen. Zu den häufigsten Hilfsmitteln zählen Langstock, vergrößernde (meist auch beleuchtete) Sehhilfen und Monokulare, um Texte wie beispielsweise Fahrpläne und Tafelbilder lesen zu können. Bei der Arbeit mit dem PC nutzen viele eine Vergrößerungssoftware, die Texte größer abbildet.

Für alle Arten der Sehbehinderung sind scharfe Konturen, kontrastreiche Farben und eine gute – das heißt: leserliche und lesbare – Darstellung von Schrift sehr wichtig. Übereinstimmend gilt das für die verschiedenen Formen der Visuseinschränkung, der Gesichtsfeldeinschränkung und des Augenzitterns. Eine gute Beleuchtung in Innenräumen und farbige Markierungen, etwa zum Kennzeichnen von Treppenstufen und -absätzen, erleichtern Menschen mit Sehbehinderung die Orientierung im öffentlichen Raum.

Auch bei der Gestaltung von Websites und Textdokumenten können entsprechende Designs verwendet werden, um die Dokumente lesbar zu machen. So erschwert etwa eine Schrift mit Serifen – das sind feine Querstriche, die einen Buchstabenstrich am Ende abschließen – auf einem unruhigen Hintergrund das Lesen, während eine helle, serifenlose Schriftart auf einem dunklen Hintergrund Menschen mit Sehbehinderung das Lesen erleichtern kann. Auch klar strukturierte Texte mit Überschriften, Formatierungen und Absätzen fördern die Lesbarkeit.

So unterschiedlich wie die vielfältigen Auswirkungen von Sehbehinderung sich gestalten, so unterschiedlich fallen auch die Lösungen für die Betroffenen aus. Große Schrift, farbige Kontraste oder spezielle Lichtverhältnisse: Für sehende Menschen ist es nicht auf den ersten Blick ersichtlich, welche Bedingungen für Menschen mit Sehbehinderung optimal sind. Auch hier gilt: Ein persönliches Gespräch bringt Klarheit und beugt Missverständnissen und Unstimmigkeiten vor.