Im Maximilianpark in Hamm steht der größte begehbare Elefant der Welt, entstanden aus der gleichnamigen Zeche. Fotos: Maximilianpark / Hübner / Kordt / Milk

Charme von Gestern

und Fun für Heute

(ter). Gt*Extra kommt zur Zielgeraden der LGS-Route. Die letzten Etappen führen von Lippetal über Hamm (35 km), Bergkamen (19 km) nach Lünen (11 km). Karl-Udo Priesmeier, der passionierte Radwanderer, ist ein Fan der Routen, die Stationen alter Industriekultur beinhalten und teilweise auf alten Erzbahntrassen angelegt wurden.

„Die Umnutzung alter Industrieanlagen ist ein spannendes Thema, das viel Abwechslung bietet. Besonders interessant ist zu sehen, wie sich die Natur ihren Raum wieder zurückerobert“, sagt Priesmeier. Er selbst ist die „Route der Industriekultur“ mit einer Gruppe gefahren und war beeindruckt vom weitreichenden Radwegenetz. Dabei stieß er auf Originale wie Holger, der in „Holgers Erzbahnbude“ neben Currywurst, Bier und einem schattigen Plätzchen auch Werkzeug für Reparaturen bietet. Beliebtes Fotomotiv ist der Drehkran des früheren Verladehafens der Zechen Gneisenau und Preußen.

Schon 1984 öffnete der Maximilianpark in Hamm seine Pforten und war damit der erste in NRW. Bis heute lässt der Park der ehemaligen LGS mehr als 100 Jahre Bergbaugeschichte lebendig werden. Saisonende ist der 4. November. Der Eintritt kostet für Erwachsene 4,50 €, Kinder und Jugendliche 3 €, Familien 13 €, Gruppen ab 20 Personen 10 € pro Person. Mitten im Park steht als Wahrzeichen der größte Jumbo der Welt. Der Künstler Horst Rellecke verwandelte die Kohlenwäsche der ehemaligen Zeche Maximilian in die heute begehbare Plastik. Zehn bewegliche Kunstobjekte können gesteuert werden wie der „Palmenputzer“, der tatsächlich Palmen putzt oder das
„durstige Huhn“, das Pflanzen rundherum Wasser spendet.

Amerikanisches Pärchen: Die „Alltagsmenschen“ der Künstlerin Christel Lechner sind bis Anfang November Gast im Maximilianpark in Hamm. Fotos: Maximilianpark / Hübner / Kordt / Milk

Amerikanisches Pärchen: Die „Alltagsmenschen“ der Künstlerin Christel Lechner sind bis Anfang November Gast im Maximilianpark in Hamm. Fotos: Maximilianpark / Hübner / Kordt / Milk

Bergkamen war einst die größte Bergbaustadt Europas. Heute prägt der Strukturwandel die Region. Simone Reichert, Abteilung Wirtschaftsförderung in Bergkamen, betont, dass neben dem Natur- und Freizeiterlebnis Kunst und Kultur und Geschichte in der Region groß geschrieben werden. „Der römische Feldherr Drusus hat hier eines der größten Feldlager überhaupt errichtet und die Lippe als Transportweg genutzt.“ Entsprechend umfangreich sind die Funde, deren Präsentation sich im Römerpark auch dank Events ständig weiter entwickeln. „Schön ist auch, dass es eigentlich flach ist, aber es gibt Stellen wie die Bergehalde Großes Holz, da haben Radfahrer bei gutem Wetter einen wunderbaren Blick über das Ruhrgebiet und das Sauerland“, so Simone Reichert.

Heinrich Kissing ist Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Kamen/Bergkamen. „Trotz des Ballungsraums finden Radwanderer erlebbare Landschaftsräume vor und das ist ausgesprochen faszinierend. Gleichzeitig sehen wir die Auswirkungen des Megatrends, den E-Bikes ausgelöst haben. Städte und Gemeinden müssen sich die Frage stellen, wie es weitergehen soll. Wenn der Trend anhält und mehr Leute mit dem Rad in die Städte fahren, braucht es mehr Stellplätze, mehr Radwege und der Zustand der bisherigen Infrastruktur muss überprüft werden“, gibt Kissing zu Bedenken. Flüsse wie die Weseke oder der Kuhbach sind ebenso wie der Dattel-Hamm-Kanal reizvolle Wegbegleiter, die mehr und mehr Gäste anlocken.

Anlocken ist ein gutes Stichwort. Kamen ist Übergangsbahnhof für Abstecher ins Ruhrgebiet sowie nach Paderborn. „Von Rheda-Wiedenbrück oder Gütersloh kann man wunderbar ein Gruppenticket lösen. Das gilt dann für fünf Personen, wobei man die Personen auch durch Fahrräder ersetzen kann. Das ist eine gute Möglichkeit, preiswert die Strecken zurückzulegen“, erklärt Priesmeier.

Schlusspunkt der LGS-Route ist der Seepark Lünen, der als Nachfolger der 1996 stattgefundenen LGS auf der ehemaligen Zeche Preußen errichtet wurde. Er ist ganzjährig geöffnet und koste keinen Eintritt. Die Preußenhalde, eine ehemalige Bergehalde, ist das einzig sichtbare Relikt, das noch auf die frühere industrielle Nutzung hindeutet. „Horstmarer Loch“ und Preußenhalde sind Zeugnisse der Höhen und Tiefen des einst so wichtigen Bergbaus. Wo früher schwarzes Gold abgebaut wurde, lockt heute ein 5.200 Quadratmeter langer Sandstrand und 25. 000 Quadratmeter Spiel- und Liegewiesen. Spiel und Spaß für Groß und Klein – wie überhaupt an vielen Stellen entlang der LGS-Route!