Grandioses Fotomotiv am Planetenweg in Rietberg. Fotos: Terschüren

15 Kilometer Paradies für Vogelliebhaber

(ter). Reifendruck geprüft. Gepäck holpersteinsicher auf dem Gepäckträger verstaut. GPX-Routendaten offline heruntergeladen. Gewitter ist noch weit genug entfernt. Los geht’s auf die 15 Kilometer lange Route von Delbrück nach Rietberg. Start ist diesmal Mitten in Delbrück. Nach einem kurzen wehmütigen Blick auf den Gasthof heißt es erst einmal kräftig in die Pedale treten, denn es geht gleich etwas steiler aufwärts als gewöhnlich. Alle Sport- und Rennradenthusiasten mögen das bitte überlesen: Es ist wirklich nur eine kurze Bergstrecke!

Gleich danach weist ein Routenschild nach links auf eine breite Fahrradstraße. Kurze Zeit später geht es auf einer Trasse entlang eines kleinen Wäldchens mit Laubbäumen und vielen Holunderbüschen. An heißen stickigen Tagen ist die Strecke wunderbar. Sie bietet Schatten und ein ausgewogenes Mikroklima. Auf Teer- und Schotterwegen rollt es sich gut. Der Weg ist breit genug. Es geht vorbei an einer alten Mühle, die derzeit restauriert und wieder in Schuss gebracht wird. Ein Landwirt verkauft frische Eier und Kartoffeln, und vor einer Hauseinfahrt sitzt ein junges Mädchen und bietet selbst gebastelte Armbänder an.

Etwa auf der Hälfte der Strecke weist ein Schild Richtung Tierpark Nadermann, der nicht mal einen Kilometer entfernt liegt. Kleine Besucher kommen im großzügigen Spieleparadies auf ihre Kosten. Auf erwachsene Tierfreunde warten Lamas, Störche, Leoparden und Stachelschweine. Mittwochs ist Enkelkindertag mit einem Preisnachlass von 50 Prozent auf den Eintrittspreis.

Zurück zur LGS-Route. Schild und GPX-Daten weisen hier auf einmal in unterschiedliche Richtungen. Kurz irritiert entscheiden wir uns für den analogen Hinweis. Angesichts des herannahenden Gewitters verzichten wir auf einen Abstecher Richtung Steinhorster Becken. Das künstlich angelegt Naturschutzgebiet soll Überschwemmungen verhindern und dient als Brutgebiet für Haubentaucher und Weißstorch. Gleichzeitig dient das Areal als Rastplatz für durchziehende Vogelarten wie Kraniche, Schwarzstörche, Fischadler und Wanderfalken. Karl-Udo Priesmeier ist ein bekannter Radspezialist, der sich im Kreis Gütersloh hervorragend auskennt. Er empfiehlt das Café Brinkmeier an der Neubrückstraße 19 in Delbrück-Steinhorst als Raststation. Das Bauernhof-Café liegt direkt am Naturschutzgebiet und lockt mit selbstgebackenem Kuchen und herzhaft, deftigen westfälischen Spezialitäten.

Für uns geht es Richtung Rietberg. Am Feldrand stakst ein Storch durchs Gras und schnappt sich, was der Landwirt gerade aufscheucht. Auch an der eigentlichen Route heißt es, aufgepasst und Augen auf. Rechts und links gibt es in Privatgärten allerhand zu entdecken. Da wachen Löwen und Eulen, ein Lindwurm a la Nessie kriecht über den Rasen und in einem anderen sieht es aus, als wäre eine Art Grotte aufgebaut worden.

Entlang der Ems an der Rietberger Emsniederung vollführen Feuerlibellen akrobatisch anmutende Flugmanöver knapp über der Wasseroberfläche. Ein Kuckuck ruft in der Ferne und ein Fasan macht auf sich aufmerksam. Hecken, Feldgehölze, Kopfbaumreihen und das Feuchtgrünland mit seinen flachen Gewässern, Blänken genannt, bieten seltenen Vogelarten wie dem Große Brachvogel, dem Kiebitz und der Uferschnepfe einzigartige Lebensbedingungen.

Bänke in unterschiedlichem Zustand und manchmal sogar überdachte Picknickecken laden hier und dort zur Rast ein. Ein Schwenker nach links und nach kurzer Wegstrecke öffnet sich die Fischteichlandschaft nahe der LGS Rietberg. Kanuten nutzen die Strecke zum Paddeln, Enten, Gänse und Kraniche versorgen ihren Nachwuchs oder suchen Futter. Genug Natur, rein ins Vergnügen, das das ehemalige LGS-Gelände in Rietberg bietet. „Wer eine Tagestour plant und ausgezeichnet zu Mittag essen möchte, der ist im Restaurant Abtei an der Hauptstraße 38 in Rietberg Varensell mit seinen Balkanspezialitäten bestens aufgehoben“, erklärt der kundige Radler, der bei diesem Tipp geradezu ins Schwärmen gerät.