Kreisweit wenig Stress bezüglich des Rechtsanspruches auf Kitaplätze

Oma betreut die Kinder gern

 

(ter). Alles im grünen Bereich, so könnte die Lage in Sachen Kindertagesplätze (Kita) im Kreis Gütersloh zusammen gefasst werden „Wir haben von Anfang an dafür gesorgt, dass die Eltern, die einen ablehnenden Bescheid bekamen, den Hinweis erhielten, dass der Kreis sich um Alternativen kümmert“, erklärt der Pressesprecher des Kreises Gütersloh, Jan Focken. Alternativen, das können Tagesmütter oder auch weiter entfernte Kindertagesstätten sein. Der Kreis ist in zehn Kommunen für die Vergabe der Kitaplätzen zuständig und damit für 56 Prozent der Bevölkerung im Kreis. Eigenständig sind hingegen Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Verl.

 

Der Bedarf im ländlichen Bereich ist längst nicht so hoch wie in den Ballungszentren“, weiß Focken. Die Oma nebenan oder auch hilfsbereite Nachbarn sorgen oft für Entspannung. „Viele Kitas haben sich untereinander auch ausgetauscht, ob hier und da doch noch ein Kind aufgenommen werden kann und erst wenn gar nichts mehr möglich war, wurden wir eingeschaltet“, berichtet Focken. Ein Problemfall stellte allerdings eine Kita in Werther dar. Die dreizügige Einrichtung musste dringend saniert werden, entsprach aber nicht mehr den heutigen Ansprüchen und musste deshalb auf Zweizügigkeit zurückgestuft werden. Grund: Es fehlte der Platz für einen Ruhe- und Wickelraum, zwingend vorgeschrieben für Einrichtungen, die Kinder ab einem Jahr aufnehmen sollen. Die kleine, ehemalige Hausmeisterwohnung wurde zur Übergangslösung. „Wir wollten auch keine neue Kita aus dem Boden stampfen, die dann wegen zu geringem Bedarf nach drei Jahren wieder schließen muss“, so Focken. 20 Kinder waren betroffen und mussten kurzfristig woanders untergebracht werden.

 

Ein Unsicherheitsfaktor bleibt

 

Focken räumt ein, dass es wegen des Anmeldeverhaltens und möglicher Zuzüge Unsicherheiten gebe. „Es ist schwer vorherzusagen, wie viele Eltern sich entscheiden werden, unter Dreijährige bereits in einer Kita betreuen zu lassen“, sagt Focken. Fachleute schätzen, dass im Kreis in den kommenden Jahren der Bedarf bei zehn weiteren Kitas liegen wird. Auch die Kommunen, die selbst für die Verteilung der Kita-Plätze sorgen, konnten bislang alles Anfragen positiv abwickeln. „Es gibt inzwischen eine Reihe von Möglichkeiten“, bestätigt Ferdinand Ortjohann vom zuständigen Jugendamt in Verl und auch die Pressesprecherin der Stadt Gütersloh, Susanne Zimmermann, sagt, dass es „keinen Stress“ gegeben habe. Dasselbe gilt für die Stellen in Rheda-Wiedenbrück. Ob das so bleibt, werden die Sitzungen der Jugendausschüsse Mitte März zeigen.

 

Befürchtete Klagewelle blieb bislang aus

 

Von der befürchteten Klagewelle um den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, der seit August 2013 besteht, durchzusetzen, ist bislang nicht zu sehen. „Erklagen kann man sich aber nur Plätze, die es tatsächlich gibt oder deren Schaffung möglich ist“, sagt Prof. Reinhard Wiesner, Rechtwissenschaftler, ehemaliger Referatsleiter im Bundesfamilienministerium und heute Honorarprofessor. Er gilt als Vater des Kinderförderungsgesetzes und hatte schon kurz nach der Einführung des Rechtsanspruches klar gemacht, dass man nur Plätze einklagen kann, die es tatsächlich gibt oder deren Schaffung möglich ist. Schadensersatz gibt es ebenfalls nur dann, wenn ein Schaden nachgewiesen werden kann. Kommunen müssen demnach nur für entgangenen Lohn zahlen, wenn der entsprechende Elternteil tatsächlich arbeitet und dies wegen der fehlenden Kindsbetreuung dies nicht mehr tun kann.