Brot und Spiele. Foto: Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen

Am 15. Juli geht es im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen sportlich zu!

Wenn man die Deutschlandfähnchen weglässt, kann auch Fußball schön sein. Wer das WM-Finale nicht mit dem ewig gleichen Grillen und Brüllen bestreiten möchte, findet Alternativen im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen. Zum einen mit einem Blick auf die römische Massenunterhaltung der Gladiatorenspiele:

Jérôme Boateng wäre damals wahrscheinlich ein secutor geworden, ein Verfolger. Und der Linksfüßer Lionel Messi ein sceava – einer, der links kämpft. Die Gruppe LUDUS NEMESIS aus Hamburg zeigt nicht nur die Kämpfe, sondern auch die gesellschaftliche Funktion des blutigen Spektakels. Denn aus sozialpsychologischer Perspektive haben Gladiatoren und Fußballer nicht nur die Schienbeinschoner gemeinsam. Und wer weiß schon, dass viele Gladiatoren recht pummelig waren? Dies kam durch österreichische Grabungen im Gladiatorenfriedhof von Ephesos heraus. Denn Fett schützt vor Schnittverletzungen.

Und doch mussten Schnitt- und „Sport“-Verletzungen dieser Hochleistungsathleten medizinisch versorgt werden. Wie die antiken Ärzte das gemacht haben, demonstriert ein römischer Medicus mithilfe entsprechender Waffen und dem damaligen chirurgischen Werkzeug – anhand von Schweinehaxen.

Auch ist Ernährung spielt im Sport eine zentrale Rolle. Während der Medicus über antikes Doping spricht, wird an anderer Stelle „Super Food“ der Gladiatoren thematisiert. Überraschenderweise war ihre Ernährung recht fleischarm: Der Gladiatoren-Spitzname war damals Getreideknirscher oder Gerstenfresser.

Die Bedeutung von Gladiatorinnen wird ebenso wie die Bedeutung von römischem Damensport unterbewertet. So wurden immer wieder sehr knappe, tangaartige, rote Lederslips ausgegraben. Frauen trugen solche Höschen entweder mit oder ohne einen trägerlosen Büstenhalter, dem sogenannten Strophium. Der Männerblick auf diese Funde war klar: Lange Zeit hielt man die Lederslips für Berufskleidung von Prostituierten. Bedingt durch unsere kulturelle Prägung denken wir bei knapp geschnittenen Höschen aus (rotem) Leder mit zarten Bändern und punziertem Lochmuster automatisch an Fetischmode. Dafür liefern allerdings weder die römische Literatur noch die Bilddarstellungen Anhaltspunkte. In der erotischen Kunst sind knappe Höschen nicht vertreten. Selbst die Liebesgöttin Venus wird nie mit einem Slip dargestellt. Solche Höschen tauchen ausschließlich im Zusammenhang mit Frauensport auf. Gisela Michel vom Römisch-Germanischen Museum Köln hat diese erforscht und rekonstruiert. Im Museum präsentiert werden sie von einem Wäsche-Profimodel.

Und dann gibt es noch Knattleikr. Die Wikingervariante des Ballsports endete nach Auskunft der isländischen Sagas manchmal tödlich. Das Spiel wurde in der Regel über ganze Siedlungen und Eisflächen hinweg betrieben, der Ball war so beschaffen, dass er den Gegner ausknocken konnte. In der frühmittelalterlichen Siedlung der Anlage wird Knattleikr mit der Seniorenmannschaft des TSV Oerlinghausen erklärt. In der Wikingerzeit betrieben es aber auch Zwölfjährige, sozusagen die Knattleikr D-Jugend.

Unter museumspädagogischer Leitung wird eine Kinder-Gladiatorenschule durchgeführt, in der die Kinder an kampfsportspezifische Inhalte herangeführt werden. Im Sinne des Veranstaltungstitels werdne zudem auch Mitmach-Aktionen wie das Backen von römischem Brot und römische Spiele angeboten.

Das echte Fußball-WM-Finale können die Besucherinnen und Besucher sich im Anschluss an die Veranstaltung nebenan im Kastanienkrug anschauen.

Daten der Veranstaltung:

Wann: Sonntag, 15. Juli, 10:00-17:00 Uhr
Wo: Am Barkhauser Berg 2-6, 33813 Oerlinghausen
Kosten: Regulärer Museumseintritt (5,00 €, ermäßigt 4,00 €)

Text, Fotos und Darstellungen: Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen.