Krieg und Vertreibung durch Kinderaugen gesehen

Ausstellung eines Malwettbewerbs der Stadt Châteauroux in der Stadtbibliothek

 

 

Gütersloh (gpr). Sie werden „les petits artists de la memoire“ genannt, „kleine Künstler der Erinnerung“. In Frankreich ist dieser Titel ein fester Begriff. Jedes Jahr veranstaltet der dortige Verband der ehemaligen Soldaten und Kriegsopfer einen Wettbewerb für Grundschulen. Sein Thema: künstlerische Auseinandersetzung mit dem ersten Weltkrieg und seinen Folgen. Zeichnungen, Aquarelle, aber auch Gedichte und Prosatexte liefern die Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen acht und zehn Jahren. Beeindruckende Ergebnisse aus den Grundschulen der Partnerstadt Châteauroux sind zurzeit in der zweiten Etage der Gütersloher Stadtbibliothek zu sehen.

 

Die Ausstellung mit rund 50 Bildern, Zeichnungen und weiteren Ergebnissen des Wettbewerbs ist Teil des gemeinsamen Projekts, mit dem Gütersloh und Châteauroux an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnern. Im Mittelpunkt steht dabei die Ausstellung „Der große Krieg?“, die bis Ende Juni im Stadtmuseum zu sehen ist. Die Präsentation der Schülerarbeiten wiederum fokussiert einen Aspekt der Rezeptionsgeschichte in beiden Ländern: Während der Erste Weltkrieg in Deutschland  eher in seiner Bedeutung für die nachfolgenden Jahrzehnte der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus wahrgenommen wird, ist „la Grande Guerre“ in Frankreich über die Generationen hinweg identitätsstiftendes nationales Ereignis geblieben, das auch jungen Schülern noch vermittelt werden kann.

 

Die Bilder in der Stadtbibliothek zeugen davon, beeindrucken aber auch durch ihre Qualität. Das was die „große“ Ausstellung in der Stadtbibliothek mit Texten, Fotos und anderen Quellen erzählt, arbeiten die „kleinen Künstler“ mit großer Klarheit heraus –  inspiriert von Darstellungen der Zeit: Der Krieg war keine Schlacht an einem weit entlegenen Ort, er war allgegenwärtig. So zeigt eine Zeichnung eine Familie auf der Flucht, andere orientieren sich an Skulpturen oder Denkmalen. In allen Ergebnissen des lokalen Wettbewerbs wird deutlich, wie sehr sich die Grundschüler und Schülerinnen mit der Thematik auseinandergesetzt haben – dies ist erklärtes Ziel des landesweiten Wettbewerbs, der ausgewählte Arbeiten in einem Kalender zusammenfasst.

 

Die kleine französische Delegation unter der Leitung des stellvertretenden Bürgermeisters Jean-Yves Hugon brachte in der vergangenen Woche die Ausstellung mit nach Gütersloh und nutzte dabei die Gelegenheit zu einer Führung durch das Haus mit Bibliotheksleiterin Petra Imwinkelried.  Die Präsentation ist noch bis Ende Mai in der Stadtbibliothek zu sehen.

 

Ausstellung Kinder motiv 

Kinderbilder von erstaunlicher Qualität: Karin Delbrügge, bei der Stadt zuständig für Städtepartnerschaften, stellvertretende Bürgermeisterin Monika Paskarbies, Nahima Korchid, Ratsmitglied in Châteauroux, Bibliotheksleiterin Petra Imwinkelried, Jean-Yves Hugon, stellvertretender Bürgermeister aus Châteauroux, Marc Pasquet vom Partnerschaftskommittee und Jean-Louis Cirès, Stadtarchivar in Güterslohs Partnerstadt (v.l.) präsentieren die Ausstellung im Rahmen des gemeinsamen Projekts „Der große Krieg“.