Kreis will auf Gütersloher Flughafen

Gütersloh. In die Debatte um die künftige Nutzung des bislang noch von den britischen Streitkräften genutzten Flughafengeländes an der Marienfelder Straße kommt neue Bewegung. Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) signalisierte nun in einem Schreiben an die Stadt Gütersloh, dass der Kreis deutliches Interesse an einer umfangreichen Nutzung des Flughafens, vor allem am dortigen Gebäudebestand, habe. Neben verschiedenen Abteilungen der Kreisverwaltung, die vom Kreishaus in Rheda-Wiedenbrück nach Gütersloh umziehen sollen, schwebt den Verantwortlichen des Kreises vor, Teile der bisherigen Unterkunftsgebäude auch als Dienstwohnungen für die Beamten und Angestellten des Kreises zu nutzen.

 

Überraschend traf vor wenigen Tagen im Gütersloher Rathaus die Offerte des Kreises ein, einen großen Teil des Flughafengeländes für Zwecke der Kreisverwaltung nutzen. In dem Schreiben an Bürgermeisterin Maria Unger (SPD) zeigt Landrat Adenauer verschiedene Nachnutzungsmöglichkeiten auf, die den Abzug der britischen Streitkräfte aus der Stadt Gütersloh in den nächsten Jahren sehr weitgehend kompensieren sollen.

 

Wie aus dem Rathaus verlautet, hat der Kreis durch ein in Konversionsfragen versiertes Planungsbüro in einer Machbarkeitsstudie verschiedene Alternativen für eine Nutzung des Flughafengeländes prüfen lassen. Darin wird ein Umzug der bisher noch in Rheda-Wiedenbrück ansässigen Teile der Kreisverwaltung favorisiert. So könnten die Abteilungen für Soziales, Tiefbau und Umwelt künftig ihren Sitz in der Kreisstadt finden. Insbesondere die zentrale Lage im Kreis komme den Kunden dieser Abteilungen zugute. Frank Scheffer, Fachbereichsleiter Bauen und Umwelt beim Kreis, begrüßt auf Anfrage vor allem die Chancen, die eine Ansiedlung der Abteilung Umwelt auf dem Flughafengelände biete: „Hier können wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wir rücken in die Kreismitte und näher an unsere Zentrale an der Herzebrocker Straße. Und wir könnten uns direkt vor Ort, quasi mit einem Blick aus dem Bürofenster, noch intensiver um die einzigartige Flora und Fauna auf dem weitläufigen Flughafengelände kümmern.“ Wie berichtet, hatten im Herbst 2013 gutachterliche Untersuchungen bestätigt, dass ein Großteil der Flughafenflächen nördlich und südlich der Start- und Landebahn durch das Vorkommen seltener Gräser und geschützter Vogelarten mit erheblichen naturschutzfachlichen Einschränkungen für eine gewerbliche Nutzung behaftet ist. Daneben könne die bisherige Start- und Landebahn der für die Kreisstraßenunterhaltung zuständigen Tiefbauabteilung als Übungsfläche für Teerausbesserungs- und Markierungsarbeiten dienen.

 

Neben der Nutzung für Kreisdienststellen sieht die Projektion des Planungsbüros auch eine teilweise Nutzung der Wohnblöcke auf dem Flughafengelände für die Unterbringung von Kreisbediensteten vor. Landrat Adenauer denkt darüber nach, einen Großteil der von Armut und Arbeitsunlust bedrohten Beamten und Angestellten des Kreises dort zu kasernieren. „Um sieben Uhr wird dann geweckt, gemeinsames Frühstück, Fahnenappell, und dann per Bus an die Schreibtische im Kreishaus!“ schwärmt Adenauer bereits von den neuen Chancen für einen modernen leistungsorientierten Personaleinsatz, die sich aus der geringen Entfernung zwischen Wohnunterbringung und Schreibtisch ergäben. „Selbstverständlich laufe ich morgens mit den Kollegen um den Sportplatz, bis die Kolleginnen das Frühstück bereitet haben!“ zeigt sich Adenauer solidarisch mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

 

Nach Auskunft der Kreis-Pressestelle hat die Verwaltung die wesentlichen Bestandteile der Machbarkeitsstudie dem Kreistag bereits in seiner letzten Sitzung am 24. Februar vorgestellt, wegen der mit den zuständigen britischen Stellen abzuschließenden Verträge jedoch nur in nichtöffentlicher Sitzung. Wie bekannt wurde, sollen dabei einzelne nach der Kommunalwahl am 25. Mai ausscheidende Kreistagsmitglieder auch Interesse an einem „betreuten Wohnen“ auf dem Flughafengelände gezeigt haben, um weiterhin eine Kontrolle der Verwaltung zu gewährleisten. Die aktuellen Pläne der Kreisverwaltung zeigen, dass dies wohl auch geboten sein dürfte.