Kinder auf dem Lebensweg begleiten „Pflegeeltern gesucht“

Gütersloh. Der Kreis Gütersloh sucht Personen, die erfahren sind im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, und bereit sind, ein Pflegekind aufzunehmen. Klassischerweise wird in diesem Zusammenhang immer von einer Pflegefamilie gesprochen. Dies greift jedoch zu kurz, in Frage kommen auch alleinstehende Personen, Lebensgemeinschaften, interkulturelle Paare und auch Großeltern. „Wir brauchen mehr Pflegepersonen, die Kinder über das 12. Lebensjahr in ihrer Familie aufnehmen und auf ihrem Lebensweg ein Stück begleiten“, sagt Melanie Flöthmann vom Pflegekinderdienst (PKD) des Kreises Gütersloh.

 

Der Pflegekinderdienst des Kreises Gütersloh betreut und unterstützt diese Familien und sucht immer neue Menschen, die sich dieser Aufgabe stellen wollen. Je mehr Interessenten sich finden, ein Pflegekind aufzunehmen, desto passgenauer können Kinder vermittelt werden. „Voraussetzung ist Toleranz der Herkunftsfamilie gegenüber, denn diese Kinder bringen Geschichte mit“, betont Gisbert Brauckmann, stellvertretender Leiter der Abteilung Jugend, Familie und sozialer Dienst. Sie können zum Beispiel Gewalterfahrungen hinter sich oder Konflikte mit suchterkrankten Eltern haben. Ebenso können Pubertätsschwierigkeiten oder Ausbildungsprobleme vorliegen. Für das Gelingen eines Pflegeverhältnisses auf Zeit werden daher mit den freien Trägern der Jugendhilfe passgenaue Unterstützungs- und Entlastungsangebote für die Beteiligten entwickelt. Auch Menschen, deren Kinder schon aus dem Haus sind, die sich noch mal auf einen jungen Menschen einlassen möchten, sind potenzielle Pflegeeltern erklärt Maj-Britt Beckersjürgen: „Man sollte Freude am Zusammenleben mit Kindern- und Jugendlichen haben.“

 

Der Pflegekinderdienst des Kreis Gütersloh begleitet seit vielen Jahren Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in ihrer leiblichen Familie leben können. Um den Kindern eine angemessene Lebensperspektive bieten zu können, werden sie in Pflegefamilien vermittelt, die im Vorfeld entsprechend vorbereitet und geschult wurden und nach Aufnahme eines Kindes durch den PKD begleitet werden.

 

Zurzeit werden überwiegend Kinder bis zum Einschulalter in Pflegefamilien vermittelt, die dann in der Regel bis zur Volljährigkeit dort leben. Im Jahr 2012 befanden sich im Kreis Gütersloh zirka 300 Pflegekinder im Alter von wenigen Monaten bis zum 18. Lebensjahr in Pflegefamilien.

 

In der Arbeit mit Familien zeigte sich in der jüngeren Vergangenheit zunehmend, dass auch für ältere Kinder und Jugendliche eine Unterstützung und Begleitung durch eine Pflegeperson auf Zeit erforderlich ist. Der Jugendhilfeausschuss hat daraufhin beschlossen, im Rahmen eines Projektes entsprechende Angebote zu entwickeln.

 

Wer sich für die Aufgabe als Pflegeperson interessiert kann sich unverbindlich an die Ansprechpartner in den Regionalstellen wenden: Maj-Britt Beckersjürgen für die Städte und Gemeinden Halle/Westf., Steinhagen, Werther/Westf. und Borgholzhausen (Regionalstelle Nord) unter Telefon 05201/8145-19, Melanie Flöthmann für die Städte und Gemeinden Harsewinkel, Versmold und Herzebrock-Clarholz (Regionalstelle West) unter Telefon 05247/9235-51 und Heike Westerhoven für die Städte und Gemeinden Rietberg, Schloss Holte-Stukenbrock und Langenberg (Regionalstelle Ost) unter Telefon 05244/92745-21.

 

Zum Thema: Wer kann Pflegefamilie werden?

 

Grundsätzlich können verheiratete, unverheiratete und interkulturelle Paare aber auch Alleinerziehende Pflegepersonen werden. Dabei ist nicht entscheidend ob eigene Kinder vorhanden sind. Bei der Aufnahme eines älteren Kindes ist die Fortführung eigener Berufstätigkeit möglich und auch erwünscht. Die Pflegefamilie muss zur Zusammenarbeit mit den Eltern des Kindes, dem Pflegekind und dem Pflegekinderdienst bereit sein. Neben diesen äußeren Voraussetzungen sollte die Pflegefamilie vor allem Freude am Zusammenleben mit Kindern haben.

 

Bildzeile: Entwickeln Angebote für Pflegekinder und deren Pflegepersonen (v.l.): Kreisdirektorin Susanne Koch, Diplom-Sozialarbeiterin Maj-Britt Beckersjürgen (Regionalstelle Nord), stellvertretender Abteilungsleiter Gisbert Brauckmann,  Marlies Sommerkamp (Regionalstellenleiterin Ost) und die Diplom-Sozialpädagogin Melanie Flöthmann (Regionalstelle West).