Gütersloh trauert um seinen Ehrenbürger Dr. Gerd Wixforth

Der langjährige Stadtdirektor und Förderer der Stadt verstarb im Alter von 80 Jahren

 

 

Gütersloh (gpr). Gütersloh trauert um Dr. Gerd Wixforth, seinen Ehrenbürger der Stadt und langjährigen Stadtdirektor. Er verstarb am Dienstag (15. April) im Alter von 80 Jahren.  Mit Trauer und Bestürzung reagierte Bürgermeisterin Maria Unger auf die Todesnachricht: „Gütersloh verliert einen großen Förderer und einen Menschen voller Herzenswärme, der sich über viele Jahrzehnte hinweg als Stadtdirektor, aber auch in vielen anderen Funktionen und Zusammenhängen für das Wohlergehen und die Entwicklung seiner Heimatstadt eingesetzt hat,“ würdigte sie in einer ersten Stellungnahme Dr. Wixforths Lebensleistung. Man habe ihn einmal als „Gütersloher aus Leidenschaft“ bezeichnet. „Die Liebe zur Stadt, in der er geboren und aufgewachsen ist, war der Motor seines Handelns und der Urgrund all seines Engagements. Wir Gütersloher haben ihm unendlich viel zu verdanken. Unser tiefes Mitgefühl gehört seiner Frau Lilo und seiner Familie.“

 

Für sie persönlich sei Dr. Gerd Wixforth Mentor, Ratgeber und Freund gewesen, von dessen Erfahrung sie nicht nur in den ersten Jahren ihres Amtes als Bürgermeisterin profitiert habe: „Ein wunderbarer Gesprächspartner, der ein offenes Wort nicht scheute, ein hervorragender Analytiker und ein Mensch mit klaren Standpunkten, der aber auch offen war für Argumente anderer.“

 

Vor fünf Jahren ernannte die Stadt den 1934 in Gütersloh geborenen Dr. Gerd Wixforth zu ihrem Ehrenbürger. Als Stadtdirektor hatte er die Entwicklung Güterslohs knapp 30 Jahre lang maßgeblich geprägt und in zahlreichen Bereichen wie zum Beispiel Bildung, Sport,  Freizeit und dem Umweltschutz gesteuert. In seine Amtszeit fielen unter anderem der Neubau des Rathauses,  die Neugestaltung der Innenstadt oder die kommunale Neugliederung Anfang der Siebziger Jahre, die Gütersloh zur Kreisstadt machte und an die 100 000-Einwohner-Marke heranführte. Umsichtig steuerte er über drei Jahrzehnte die Geschicke der Verwaltung, geschätzt über alle Parteigrenzen hinweg. „Der Name Wixforth stand und steht für Vertrauen und Zuverlässigkeit,“ heißt es in einem Beitrag zu seinem Abschied aus dem Rathaus im Jahr 1999.

 

Ein besonderes Augenmerk von Dr. Wixforth galt dem heutigen Klinikum, dessen zuständiger Dezernent er in seiner Amtszeit als Stadtdirektor war. Der Bereich „Gesundheitsfürsorge“ blieb auch sein persönliches Anliegen, nachdem er 1999 in den Ruhestand gegangen war. Im Jahr 2000 gründete er unter dem Dach der Bürgerstiftung den „Wixforth Fonds Gesundheitswesen“, der lokale Projekte wie die Elektronische Patientenakte, die psychoonkologische Betreuung im Klinikum Gütersloh, den Schlaganfall Lotsen am Sankt Elisabeth Hospital oder die Bürgerinformation für Gesundheits- und Selbsthilfe im Kreis Gütersloh (BIGS) unterstützt.

 

Bereits in deren Gründerjahren hatte sich Dr. Wixforth bei der Bertelsmann Stiftung engagiert. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt des Stadtdirektors brachte er sich auch hier weiter ein – unter anderem in Projekten, die den Erhalt und die Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze in der Region zum Ziel hatten. Zu einer Art „zweiter Heimat“ in seiner Heimatstadt Gütersloh wurde ihm in den vergangenen 15 Jahren vor allem die Bürgerstiftung Gütersloh. Im Haus Am alten Kirchplatz hatte er ein Büro, hier übernahm er als Vorstandsmitglied unter anderem ehrenamtlich die Verantwortung für die Anlagenpolitik des gesamten Stiftungskapitals, von hier aus brachte er sein Wissen und seine Erfahrung in zahlreiche lokale Projekte ein.

 

Aber auch international stellte Dr. Wixforth für seine Stadt Weichen: Die Städtepartnerschaften mit  Broxtowe, Châteauroux, Grudziadz und Falun wären ohne sein Engagement undenkbar gewesen. Er empfing Gorbatschow und Mitglieder des britischen Königshauses. Seinen Einsatz für die Zusammenarbeit und das Miteinander zwischen der Bevölkerung und der Militärgemeinschaft in Gütersloh würdigte Großbritannien 1992 mit der Auszeichnung „Honorary Officer of the Order of the British Empire (OBE)“. Die Verleihung der „Dr.-Johann-Christian-Eberle-Medaille“ durch den Westfälisch-Lippischen Sparkassen- und Giroverband oder der „Ehrenmedaille des Deutschen Feuerwehrverbandes“ werfen ein Licht auf Dr. Gerd Wixforths Wirken für zahlreiche Institutionen, Gruppen und Vereine. Die Bundesrepublik Deutschland würdigte seine Leistungen 2008 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse.

 

„Gütersloh wäre ohne Dr. Gerd Wixforth nicht dort wo es heute steht – eine prosperierende Kreisstadt, ein starker Wirtschaftsstandort und eine Stadt mit vielfältigen internationalen Beziehungen,“ betont Bürgermeisterin Maria Unger. „Es macht unendlich traurig, dass diese Würdigung nun Bestandteil eines Nachrufs ist und nicht Teil des Empfangs zu seinem 80.Geburtstag am 24.Januar sein konnte, auf den er sich so sehr gefreut hatte. Aber auch im Andenken an ihn bleibt das, was eine Gütersloher Tageszeitung zu seinem 60. Geburtstag auf den Punkt gebracht hatte: Gütersloh und Dr. Wixforth – das gehört einfach zusammen. Wir werden ihn sehr vermissen.“

 

 

Kondolenzbuch liegt im

Foyer des Rathauses aus

Die Stadt Gütersloh legt für alle, die ihre Anteilnahme zum Tod von Dr. Wixforth ausdrücken wollen, am Donnerstag, 17.April, ein Kondolenzbuch im Foyer des Rathauses aus. Ein Eintrag ist auch am Samstag, 19. April, in der Zeit von 10 bis 13 Uhr möglich. Karfreitag und an den Osterfeiertagen bleibt das Rathaus geschlossen. Ein Eintrag ist dann wieder am Dienstag, 22. April, möglich.

 

 

 

Dr. Gerd Wixforth

Biografische Daten

 

Dr. Gerd Wixforth wurde am 24. Januar 1934 als Sohn des späteren Stadtkämmerers und Ersten Beigeordneten der Stadt Gütersloh, Walter Wixforth, und dessen Ehefrau Martha Wixforth in Gütersloh geboren. Nach dem Abitur am Evangelisch Stiftischen Gymnasium im Jahr 1954 studierte Dr. Wixforth Rechtswissenschaften in München, Freiburg und Münster. Seine Dissertation schrieb er 1962 über „Die gemeindliche Finanzhoheit und ihre Grenzen“. Nachdem er von 1963 bis 1965 als Mitarbeiter der Wirtschaftsberatung AG in Düsseldorf tätig war, trat er am 1. Januar 1966 als Stadtkämmerer und Erster Beigeordneter in den Dienst der Stadt Gütersloh. Zum Gütersloher Stadtdirektor wurde Dr. Gerd Wixforth 1969 gewählt, drei Mal wurde er wiedergewählt. 1999 schied er aus dem Amt des Stadtdirektors aus. Im Jahr 2009 würdigte der Rat seine Verdienste um die Stadt mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde.