Glücklich, dass bei der Geländefahrt alles geklappt hat. Ulrich Kell mit Michael Böhne und Mareike Speckmann. Foto: privat

Ein bisschen was vom „Pferdeflüsterer“

Ulrich Kell gibt Tipps für fortgeschrittene Gespannfahrer

(ter). Ulrich Kell hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Über zwei Jahrzehnte ist der Landwirt Turniere mit Pferdegespannen gefahren. Erfahrungen, die der Brockhagener sich über die Jahre auf vielen Turnieren angeeignet hat, gibt er an andere, fortgeschrittene Gespannfahrer mit Ambitionen weiter. Vielen mag das bekannt vorkommen: Kell hatte als Fahrer des 5,5 Tonnen schweren Traditionsgespanns der Herforder Brauerei die Zügel 22 Jahre in der Hand.

„Wer das Vertrauen seines vierbeinigen Sportpartners hat, der wird mit zehn bis 15 Jahren belohnt, die Pferd und Fahrer eine Einheit sind“, erklärt Kell. Und dass alles mit einem Partner, mit dem man nur auf spezielle Arten kommunizieren kann. Kell selbst hat sich vor 20 Jahren in einen Kaltblüter namens Dirk verliebt. „Auf dem Rummel“, erinnert sich Kell und daran, das der Besitzer partout nicht verkaufen wollte. Bis der Ostwestfale nach gut 14 Tagen ein Preis bot, der über dem Doppelten des gängigen Marktpreises lag. „Wann holst ihn ab?“, lautete die kurz gehaltene Zusage. „Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe“, betont Kell.

„Kaltblüter können auch wendig sein und den Hindernissparcour mit Null Fehlerpunkten meistern. Damit gleichen sie die Schnelligkeit der Warmblüter eventuell aus“, so Kell, der selbst Turniere mit Kaltblütern absolviert, die niveaumäßig mit der Regionalliga im Fußball vergleichbar sind.

Ein Fahrturnier besteht aus drei Disziplinen: Dressur, Gelände- und Hindernissfahrt. An den Start gehen je nach Ausschreibung 1-, 2- und 4-Spänner. „Im Gegensatz zum Reiter, der auf dem Pferd sitzt und Schenkel- und Gewichtshilfen einsetzen kann, hat der Fahrer nur seine Stimme, seine Leine und eventuell seine Peitsche, die er aber nicht als Schlagstock einsetzt, sondern lediglich als kleine Hilfe zum Vorwärtsgehen“, erklärt Kell. Ein gutes Gespann erkennt der Fachmann u. a. daran, ob die Pferde leicht an der Hand des Fahrers stehen, ohne dass dieser Druck aufs Maul ausüben muss; ob sie mit dem Kopf in die Bewegungsrichtung schauen sowie die Tatsache, dass sie die Grundgangarten vor dem Wagen taktgenau beherrschen. Wie sich die Turniere entwickelt haben, betrachtet Kell mit Sorge. „Früher war die Geländeprüfung ein Marathon mit verschiedenen Phasen aus Trab und Schritt. Das war gleichzeitig eine Konditionsprüfung. Erst dann ging es in die festen Hindernisse“, sagt Kell. Heute beschränkt man sich auf eine viertelstündige Aufwärm- plus Abfahrphase. Dann folgen schon die Hindernisse. Das ist nach Ansicht Kells gegenüber den Pferden sehr unfair. Die Tiere müssen sofort Leistung abrufen. Früher waren sie nach den absolvierten 12 Kilometern ruhiger und lockerer. „Jetzt bleibt manchmal das Feingefühl auf der Strecke. Die Fahrer greifen härter durch“, urteilt Kell. Hinzu kommt, dass die dritte Fahr-Vielseitigkeitsprüfung eng gebaut ist wie die Geländehindernisse.

Fahrturniere sind noch sehr beliebt. Oft gehen bis zu 100 Teilnehmer an den Start. Gespannfahren ist ein Teamsport, der ohne die Hilfe der Familie und von Freunden nicht zu leisten wäre. „Für mich ist das größte Problem die Ungeduld der Menschen. Die Ausbildung eines guten Turnierpferdes dauert gut zwei Jahre und sollte erfahrenen Fahrern überlassen bleiben“, meint Kell. Fahrer, die seine Unterstützung suchen, sollten mindestens ein halbes Jahr einplanen, um die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren.

Weitere Infos: Ulrich Kell – Wallbrink 9 – Steinhagen-Brockhagen – Tel. 0 52 04 26 50