Bei Schmerzen nicht leiden, sondern handeln. Frühe Diagnose kann Gelenk- und Rückenbeschwerden lindern

Bei Schmerzen nicht leiden, sondern handeln
Frühe Diagnose kann Gelenk- und Rückenbeschwerden lindern

(djd/pt). Häufig liegen Monate oder Jahre voller Qual hinter ihnen: Menschen mit chronischen Schmerzen an Rücken und Gelenken müssen oft viel aushalten, bis sie Linderung erfahren. Meist warten die Betroffenen jedoch selbst viel zu lange, dass die Beschwerden von allein wieder verschwinden. Sie halten tapfer durch und schieben den Arztbesuch vor sich her, obwohl alltägliche Bewegungsabläufe immer schmerzhafter werden. Doch statt sich zu quälen, sollten Betroffene lieber schnellstmöglich aktiv werden.

Wichtig: Ursachenforschung und richtige Diagnose

Von möglichen Erbanlagen einmal abgesehen, ist es vor allem der heutige Lebensstil, der den Verschleiß an Wirbelsäule und Gelenken beschleunigt. Durch Bewegungsarmut, Übergewicht sowie Rauchen oder übermäßigem Alkoholgenuss werden Gelenke und Knorpel über Gebühr beansprucht und geschädigt. Die Folge sind Gelenkzerstörungen mit Einschränkungen der Beweglichkeit, Schwellungen, Schmerzen und zunehmendem Verlust der Lebensqualität. Doch so weit sollte man es nicht kommen lassen. „Wenn Gelenkbeschwerden über zwei bis drei Wochen anhalten, sollte eine orthopädische Abklärung erfolgen. Der frühe Arztbesuch ist entscheidend für eine Therapie, die schnelle Gelenkzerstörungen verhindern kann“, rät Prof. Dr. med Stefan Rehart, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am AGAPLESION Markus Krankenhaus in Frankfurt.

Behandlung an den Patienten anpassen

Ein frühzeitiges gezieltes Schmerzmanagement kann den Verlauf von Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen positiv beeinflussen. Dabei wird heute auf ein multimodales Behandlungskonzept gesetzt, das sich an den Bedürfnissen des Patienten orientiert. „Physikalische Therapiemaßnahmen wie Krankengymnastik, Stromtherapie und Bandagen können dabei ebenso zum Einsatz kommen, wie entzündungslindernde Spritzen in das Gelenk und Medikamente zur Schmerzlinderung“, erläutert Prof. Dr. Rehart.

Individuelle Risikoeinschätzung notwendig

Allerdings können einige klassische Schmerzmittel, die sogenannten nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR), Magenprobleme verursachen. Um diese Nebenwirkungen zu minimieren, rät Prof. Dr. med. Uwe Lange empfindlichen Patienten, ein Magenschutzpräparat hinzuzunehmen. Als weitere Alternative empfiehlt der Direktor für Physikalische Medizin und Osteologie der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim, auf einen modernen Wirkstoff umzusteigen. „Man therapiert mit neueren Mitteln, den COX-2 Hemmern, die im Vergleich zu klassischen NSAR weniger Beschwerden am Magen-Darm-Trakt auslösen“, so Prof. Dr. Lange. Aktivitäten könnten bald wieder normal aufgenommen werden. „Die sogenannten Coxibe hemmen die Entzündung“, ergänzt Prof. Dr. Rehart, „und bewirken dabei nicht nur eine Schmerzreduktion, sondern auch eine Abschwellung.“ Oberstes Ziel der Behandlung sei es, eine Wiederherstellung der Beweglichkeit zu erreichen, damit sich die Weichteile um das Gelenk herum nicht verfestigen. Bei Patienten mit Vorerkrankungen wie Magen-Darm-Geschwüren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck sei bei der Medikamentenwahl immer eine individuelle Risikobewertung durch den Arzt notwendig.

Überlastung vermeiden

Um die Bewegungsfähigkeit zu trainieren, ist gerade bei verschleißbedingten Beschwerden eine Therapie nötig, die wenig direkte Belastung auf die Gelenke bringt. „Dies kann zum Beispiel durch regelmäßiges Ergometertraining erfolgen. Ebenso ist eine muskuläre Kräftigung durch Schwimm- oder Radsport möglich“, erklärt Dr. med. Thorsten Kriese. Des Weiteren empfiehlt der Leitende Arzt der Orthopädischen Fachabteilung am Otto-Fricke-Krankenhaus in Bad Schwalbach aerobes Training wie Nordic Walking oder Wassergymnastik zur Verbesserung der Ausdauer. Auch eine gerätegestützte Bewegungstherapie kann die Muskeln kräftigen, ohne die Gelenke zu stark zu belasten.

Operation als letzter Ausweg

Bleibt dennoch, etwa an der Hüfte, dauerhaft ein Bewegungsdefizit bestehen, kann ein operativer Eingriff der letzte Ausweg sein. „Patienten, die sich nicht operieren lassen wollen, müssen damit rechnen, dass die Schmerzen schlimmer werden und sich die Funktion des Hüftgelenkes noch mehr einschränkt“, so Dr. med Liliana Tarau. „Die Muskeln verkürzen sich, die Schonhaltung wird stärker, die Schmerzen weiten sich aus“, erläutert die Wiesbadener Fachärztin für Anästhesiologie. Generell wird jedoch empfohlen, vor dem Eingriff alle konservativen Methoden auszuschöpfen und die Zweitmeinung eines weiteren Arztes einzuholen.

— Daten/Fakten oder Kurztext —
Weitere Informationen für Interessierte:

– www.stark-gegen-schmerz.de – Infos zu Krankheitsbildern, Videos, Übungen bei Arthrose

– www.rheuma-liga.de – Selbsthilfe bei allen Rheumaarten

– www.dgss.org – Deutsche Schmerzgesellschaft e.V., umfassende Patienteninformationen