ADAC Tipps zum Reisemangel

Tipps um Urlaubsmängel ersetzt zu bekommen

(ter). So vielfältig wie die Reiseziele sind, so unterschiedlich ist das, was nach dem Traum-Urlaub als Reisemangel vor Gerichten landet. Unzählige Urteile sprechen eine deutliche Sprache. Kein Wunder also, dass der größte deutsche Verkehrsclub, der ADAC, sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Denn eines steht fest: Um überhaupt vor Gericht eine Chance zu haben, müssen alle Formalien korrekt erfüllt sein und Fristen penibel eingehalten werden.

Schon, was ein Reisemangel ist, da gehen die Meinungen auseinander. Juristisch gesehen liegt kein Mangel vor, wenn es um bloße Unannehmlichkeiten geht oder um landesübliche Gegebenheiten. Dazu gehören Wartezeiten beim Einchecken, Insekten in tropischen Ländern oder auch lebenslustiges Feiern in südlichen Ländern. Auch ein Überfall während des Landganges auf einer Kreuzfahrt gilt als Lebensrisiko, für das der Reiseveranstalter nicht haften muss. Eine lärmende Großbaustelle hingegen kann eine Preisminderung von 50 Prozent des Urlaubspreises rechtfertigen. Anders sieht es auch aus, wenn bei einer Pauschalreise vom Veranstalter versprochenen Leistungen nicht geboten werden. Dazu gehört beispielsweise der beheizte Pool, der jetzt wegen Renovierung geschlossen ist oder wenn sportliche Animation versprochen wurde, die aber nicht umgesetzt wird.

Ansprüche hinsichtlich einer Reisepreisminderung sind beim Reiseveranstalter direkt einzureichen, nicht beim Reisebüro. Der erste Schritt beim Auftreten eines Reisemangels ist jedoch regelmäßig noch am Urlaubsort der Gang zur Reiseleitung, damit diese sobald als möglich für Abhilfe sorgen kann. Pessimisten, die auf Nummer sicher gehen wollen, können sich ein Formular von den Websites des ADAC ausdrucken und gleich mitnehmen.

Beschwerden immer schriftlich an den Reiseveranstalter

Lässt sich das Problem vor Ort nicht beheben oder ist eine Reiseleitung nicht erreichbar, müssen Betroffene spätestens einen Monat nach Rückkehr aus dem Urlaub eine schriftliche Beschwerde an den Reiseveranstalter richten. Der ADAC hat auch für diese Fälle vorformulierte Beispielformulare auf seine Internetseiten gestellt. Darauf wird der Reisemangel beschrieben und konkret eine Reisepreisminderung gefordert. Dieses Schreiben schicken Betroffene am besten per Einschreiben samt Rückschein an den Veranstalter. Reagiert dieser auf das Schreiben nicht, muss nachgehakt und notfalls Klage erhoben werden, da sonst der Anspruch nach zwei Jahren verjährt (!). Wer berechtigterweise eine Preisminderung wegen eines Reisemangels fordert, muss sich nicht auf einen Reisegutschein einlassen. Es besteht in diesem Fall ein Rechtsanspruch auf Auszahlung der Preisminderung in der Regel per Verrechnungsscheck. Wer Mängelansprüche anmeldet und daraufhin vom Reiseveranstalter einen Scheck erhält, verliert weitergehende Rechtsansprüche, wenn er diesen Scheck widerspruchslos einlöst! Denn in diesem Fall gilt das Angebot des Reiseveranstalters auf einen (außergerichtlichen) Vergleich als angenommen.

Gerichte entscheiden jeden Fall einzeln

Um den Mangel gegebenenfalls vor Gericht beweisen zu können, sollten Fotos gemacht und Zeugen samt Anschriften gesammelt werden.

Wie viel zurückverlangt werden kann, wird in jedem Einzelfall entschieden. Der ADAC hat die bundesweite Rechtssprechung der letzten zehn Jahre ausgewertet und eine lange Liste zusammengestellt. Die Palette reicht von der Vorverlegung des Rückfluges um einen Tag mit einer Preisminderung um 150 Prozent des Tagesreisepreises über die Nutzung eines Gemeinschaftsbades, obwohl ein separates gebucht wurde (100 Prozent des Tagesreisepreises pro Urlaubstag) bis hin zur entgangenen Urlaubsfreude wegen einer schweren Salmonellen- bzw. Fischvergiftung durch das Hotelessen. Auch hier gibt es 100 Prozent des Tagesreisepreises zurück plus noch einmal 40 Prozent für eine nahe stehende Begleitperson, die pflegen musste.

Zum Schluss noch ein Rat: Wer berechtigter Weise Mängel beanstandet, sollte dies entsprechend des gesunden Menschenverstandes und der juristischen Formalien tun – und sich dann auf die positiven Seiten des Urlaubs konzentrieren.

Mitglieder des ADAC haben die Möglichkeit, Fragen per E-Mail oder telefonisch unter 089/76762423 an die Anwälte der Juristischen Zentrale zu stellen.