Action in der Berliner Straße

Gütersloher sind Vorreiter in OWL

Einheinhalb Millionen sollen die Mittlere Berliner Straße aufhübschen

(ter). Action – heißt es jetzt für die Interessen- und Standortgemeinschaft Mittlere Berliner Straße in Gütersloh, kurz ISG. „Anders als bei einem lockeren Zusammensschluss wie etwa einer Interessen- und Werbegemeinschaft ist unsere ISG für Mitglieder verbindlich“, erklärt Albrecht Diekötter, 1. Vorsitzender der ISG. Es mussten viele Verträge geschlossen, viele Bedenken ausgeräumt werden. Jetzt ist es geschafft und die eigentliche Action kann losgehen.

Es geht darum, den Standort Mittlere Berliner Straße attraktiver zu machen. „Unsere Kunden sollen sich hier wohlfühlen“, erklärt Peter Oesterhellweg. „Hier gibt es zwar kein großes Einkaufszentrum, das uns zu schaffen macht, aber das Internet zwingt uns zum Handeln. Das betrifft auf der einen Seite die Modernisierung der Läden, andererseits auch das Umfeld. Wir wollen neue Akzente setzen und da ist es besser, jetzt die Schritte zu machen, bevor die Kundschaft wegbleibt“, erläutert Oesterhellweg. Deshalb beschlossen einige Kaufleute, die verbindlichere ISG zu gründen. 75 Prozent der etwas mehr als über 30 Anlieger reichen, um Beschlüsse zu fassen und durchzusetzen, notfalls auch gegen den Willen einer 25prozentigen Minderheit. Abgeschaut haben sich die Akteure das Modell in Hamburg. Dort agierten gleich zwei ISG sehr erfolgreich – in Bergedorf und am Neuen Wall. In NRW gibt es bereits einige wenige ISG, u. a. in Bochum und Köln. In OWL sind die Gütersloher Kaufleute die Vorreiter.

„Der Vorteil darin, dass es sich bei der ISG um einen öffentlich rechtlichen Vertrag handelt“, so Diekötter. Die Beiträge zur ISG wurden in Gütersloh nach einem exakten Schlüssel aus Einheitswert Grundstück und Gebäudewert ermittelt. Ein komplizierter Vorgang, der jetzt aber abgeschlossen ist. Allerdings können die Anlieger noch Einspruch erheben, z. B. wenn sie glauben, ihr Beitrag sei falsch berechnet worden. „Es hat seine Zeit gedauert, Bedenken zu zerstreuen“, räumt Diekötter ein. Wer eine Immobilie kauft, um sein Alter abzusichern, der ist wenig begeistert, wenn für eine ISG zusätzliche Kosten auf ihn zukommen.

Diekötter geht davon aus, dass der ISG in den kommenden fünf Jahren eine halbe Millionen Euro zur Verfügung stehen werden. „Mit dem Geld haben wir Großes vor“, verspricht Diekötter und spricht die Problematik mit den Fahrradfahrern an. „Wir möchten, dass die Radfahrer nicht mehr kreuz und quer fahren und so auch abstellen. Statt dessen soll die Straße baulich so verändert werden, dass sie am Rand stehen können. Aber eigentlich soll es ein reine Fußgängerzone sein und nicht mehr ein Zwitter wie bisher“, erläutert Diekötter erste Pläne.

Die ISGler freut, dass es fast zeitgleich Pläne für den Berliner Platz gibt. Der muss und soll zwar weiter für Veranstaltungen zur Verfügung stehen, bekommt aber nach dem Willen der Ratsmehrheit ein schöneres Outfit. So soll künftig durch ein Wasserband der Weg zur Berliner Straße optisch ansprechend gestaltet werden und neue Baumreihen, abgestufte Bereiche und Holzbänke zum Verweilen und Schauen einladen. „Für uns ist es wichtig, dass in der Stadt etwas passiert. Aktionen auf dem Kolbeplatz und Events auf dem Dreiecksplatz ergänzen unsere Pläne wunderbar und sorgen dafür, dass Gütersloh als Einkaufsstadt attraktiv bleibt“, erklärt Diekötter.

Infos im Kasten:

Die Idee zu den Interessen- und Standortgemeinschaften stammt aus Nordamerika. Dort firmieren sie unter der Bezeichnung „Business Improvement Area“ und waren die Reaktion auf die riesigen Einkaufszentren, die den Einzelhändlern massiv die Kundschaft abspenstig machten. In Deutschland wurde die erste ISG 2005 in Hamburg-Bergedorf gegründet. Eine ISG ist ein räumlich klar umrissener Bereich, in dem Grundeigentümer und Gewerbetreibende zum eigenen Vorteil versuchen, die Standortqualität durch Maßnahmen zu verbessern, die aus dem Aufkommen eines selbst auferlegten und zeitlich befristeten erhobenen Abgabe finanziert werden. Die Abgabe ist nach festen Verteilungsmaßstäben von den Abgabenpflichtigen zu erheben. Im Gesetz über ISG NRW vom 13.3.2014 ist genau festgelegt, welche Verteilungsmaßstäbe zulässig sind. Diese können auch kombiniert werden. Es sind:

1. der Einheitswert des Grundstücks

2. Art undMaß der baulichen oder sonstigen Nutzung des Grundstücks

3. Grundstücksflächen

4. Grundstücksseite entlang der Erschließungsanlage.

Berliner Platz_Bänke